Wolfgang Ewert


Altes Dorf und neue Menschen [15]

 

 

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WORAN ES LIEGT
     
 

Einige Bauern waren nicht gegen die LPG, standen aber noch immer abseits, weil in der Genossenschaft noch manches drunter und drüber ging. Zu ihnen gehörte Johann Gromzik. Am meisten stiessen ihn die unsauberen Felder der Genossenschaft ab. Gab er anfangs der Genossenschaft schlechthin die Schuld dafür, so merkte er bald, woran es lag.
"Wonach werden eigentlich die Arbeitseinheiten eurer Mitglieder berechnet?", fragt Johann eines Tages den Vorsitzenden. Johann hat einen Vorwand gesucht, um mit Hermann Scheel ins Gespräch zu kommen. "Bekommen die LPG-Mitglieder nach der Zeit bezahlt oder nach dem, was sie geleistet haben?"
Gromzik kennt die Arbeitsordnung und das Statut der LPG gut genug, um zu wissen, dass natürlich die Leistung die Anzahl der Arbeitseinheiten bestimmt. Aber er lässt sich vom Vorsitzenden alles noch einmal genau erklären.

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"Wenn du aber glaubst, alle eure Mitglieder leisten das, was sie euch abends erzählen, so bist du auf dem Holzweg", sagt Johann weiter. "Gestern hab ich erst gesehen, wie sich einige stundenlang im Schatten ausgeschlafen haben, anstatt zu arbeiten. Aber sicher bekommen die ihre Arbeitseinheiten."
"Ich kann meine Augen nicht überall haben", schimpft der Vorsitzende. Wie es bei manchen Mitgliedern mit der Arbeitsmoral bestellt ist, weiss er genau. "Wir haben viele bei uns, die in der LPG einen guten Tag leben wollen. Uns fehlen ein paar Bauern, die mehr Interesse an der Arbeit haben."
"Nicht nur mehr Interesse an der Arbeit", entgegnet Johann, "auch mehr Interesse an der Genossenschaft, dass sie voran kommt".
"Das musst du gerade sagen, kannst dich ja selber nicht entschliessen..."
Noch manchen Rat wollte Johann den Genossenschaftsbauern geben. Er sah manches, was sie selber nicht sahen oder nicht sehen wollten. Manchmal riet er ihnen auch zu diesem und jenem. Aber sie blickten ihn dann fragend an, manchmal auch misstrauisch, als wollten sie sagen: Wer es gut und ehrlich mit uns meint, wird Mitglied der Genossenschaft.

   
 

"so kann das mit denen in der LPG nicht weiter gehen", sagt Johann eines Tages zu seiner Frau.
"Was haben sie denn wieder?", fragt sie.
"Die haben ihr Heu heute natürlich nicht mehr 'reingekriegt", erzählt Johann, "die von der Genossenschaft und wir, alle waren heute in der Wiese. Was meinst du, wie wir uns beeilt haben, als das Gewitter aufzog. Auf der LPG-Wiese machten sie natürlich zur fest gesetzten Zeit ihre Frühstückspause. Sie wollen ja besser leben in der LPG. Aber wenn sie nachher schlechtes Futter haben, dann wundern sie sich, dass die Kühe nicht mehr Milch geben. Das muss anders werden bei denen, sonst kommen sie nie auf einen grünen Zweig."
"Du tust ja, als wärst du selber schon drin in der LPG", sagt Frau Gromzik.
"Jetzt geh' ich auch rein, vielleicht kann ich ihnen helfen." Johann Gromzik bat die Genossenschaft, ihn aufzunehmen.
Die Vollversammlung nahm den Bauern und ehemaligen Landarbeiter in die LPG auf. Er stellte der Genossenschaft all seine Erfahrungen zur Verfügung. Im Vorstand, dessen Mitglied er wurde, half er die Leitung der LPG verändern. "Wir müssen die Menschen überzeugen", sagte er, "ihnen nicht nur Arbeit zuteilen und ihre Arbeitseinheiten festsetzen".
Bald wählte die Vollversammlung der Genossenschaft Johann Gromzik zum Vorsitzenden.

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