Das Dörfchen am See

Ich schaute Gebirge gar hoch und hehr,
ich fuhr auf dem wilden, wogenden Meer.
Die Grossstadt sah ich, den mächtigen Strom
und stand auch im stolzen, hochragenden Dom.
Wohl hat, was ich schaute, den Sinn mir erfüllt,
wohl trug ich nach Hause manch herrliches Bild,
doch trag ich im Herzen, wo immer ich geh
nur eines – mein freundliches Dörfchen am See.

Von grünenden Hügeln gar lieblich umkränzt
ein Spiegel, der silbern im Mondlicht erglänzt,
nur wenige Hütten mit Stroh meist gedeckt,
ein Kirchlein im Laubdach der Linden versteckt
rings Stille, hier ruhen die Lieben vereint,
hier schlummert in Frieden mein trauter Freund.
Drum heg ich im Herzen mit leisem Weh
dein Bild nur – mein heimatlich Dörfchen am See.

Und blüht nun die Linde, dann treibts mich hinaus.
Muss wiederum kommen ins Vaterhaus,
zu schauen wie der Morgenstrahl Brücken baut,
zu hören der alten Glocken Laut,
zu träumen wieder der Kindheit Traum
beim Säuseln der Blätter im Lindenbaum.
Und deckt auch mein Haupt schon der Altersschnee,
jung wird mir das Herz doch – im Dörfchen am See.

 
 
 
 
  Der Verfasser dieser Zeilen liegt in Altwigshagen hinter der Dorfkirche begraben. Sein Name ist in Vergessenheit geraten.  
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