300 Jahre Familie von Borcke

Georg Heinrich von Borcke (1686 – 1747)


Kartoffelbrennerei in Altwigshagen


Die letzte Generation auf dem Schloss in Altwigshagen: Anna Elisabeth von Borcke als Kind mit ihrem Grossvater Graf von Schwerin und als Verlobte mit dem Gutsverwalter Karl-Heinz Graentz.
 

Nachdem Georg Friedrich von Borcke mit seiner Familie um das Jahr 1653 von seinen ehemaligen Gütern Wopersnow , Zozenow und Wisbuhr in Hinterpommern nach Altwigshagen übersiedelt war, hatte er nicht mehr lange zu leben. Er verstarb 1660 im 49sten Altersjahr. Seine vier Söhne blieben ohne männliche Erben. Deshalb fiel das vorpommersche Lehen nach deren Tod 1714 an den nächsten Verwandten: Georg Heinrich von Borcke. Er war Oberstwachtmeister im Kürassierregiment des Prinzen Friedrich und Landrat des Kreises Anklam. Aus seiner Ehe mit Ottila Dorothea geborene von Quast sprossen zwei Söhne. Der 1686 geborene Georg Heinrich von Borcke übernahm das Lehen. Er heiratete Maria Anna Margarethe, eine geborene von Podewils, die am 27. März 1785 – fast vier Jahrzehnte nach dem Tod ihres Gatten – in Altwigshagen bestattet worden ist. Das Ehepaar hatte eine Tochter und vier Söhne, von denen nur Erdmann Kurt erbberechtigte Nachkommen hinterliess. Er war verheiratet mit Marie Sophie geborene von Wedel.

Das Vorwerk Annenhof übergab Erdmann Kurt von Borcke bereits 1787 an seinen ältesten Sohn. Nach seinem Tod bewirtschafteten die Söhne Friedrich Georg Ludwig (*1747), Otto Heinrich Albrecht (*1749), Otto Ludwig Friedrich (*1758) gemeinsam die Borckschen Güter, zu denen auch Krienke auf Usedom, Grabow, Borckenfriede, das Zollhaus Finkenbrück und Demnitz gehörten. Der nächste Lehnherr entstammt der zweiten Ehe des jüngsten Sohnes mit Christine Auguste geborene Volkmann: Johann Ludwig August Friedrich (*1798) starb 1859 auf Usedom. Sein Nachfolger, Hugo Louis August von Borcke (*1833) heiratete Klothilde Luise Adelheid Franziska von Buggenhagen. Die Tochter Anna Elisebeth Fanny wurde 1867 und der Sohn Bernhard Otto Ernst 1871 geboren.

Im Jahre1866 hatte Hugo von Borcke das alte Schloss in Altwigshagen abreissen und ein stattliches neues im Stil der englischen Tudorgotik bauen lassen. Wenig später kamen einige Wirtschaftsgebäude und eine Kartoffelbrennerei hinzu. Das Gut wurde bis 1907 an einen Administrator mit Namen Brandt verpachtet. Das Ehepaar von Borcke hielt sich zu dieser Zeit in Stettin auf, wo Hugo 1908 und seine Frau drei Jahre später verstarben.

Ein Jahr zuvor, am 22. Mai 1907, hatte sich Bernhard Otto Ernst in Löwitz mit Gertrud von Schwerin verheiratet. – Sie war keine "echte" von Schwerin. Denn ihre Mutter Elise Kuntzen war vor ihrer Heirat mit dem königlich-preussischen Hauptmann Werner August Reinhard Ritter von dem preussischen Rittmeister Hans Graf von Schwerin adoptiert worden. Und der war es auch, welcher den beiden Jungvermählten durch Auszahlung des Pächters Brandt die Rückkehr nach Altwigshagen ermöglichte. Dort wollte Rittmeister Bernhard von Borcke, obwohl er kein Landwirt war, die Geschicke des Gutes selbst in die Hand nehmen. 1908 wurde im Schloss eine Tochter mit Namen Anna Elisabeth Marie Klothilde geboren.

Missernten, Weltwirtschaftkrise und Inflation führten den unerfahrenen Gutsherrn an den Rand des Bankrotts. Nur seine fähigen Verwalter konnten einen Zusammenbruch des landwirtschaftlichen Betriebes verhindern. Als letzter Verwalter wurde Karl-Heinz Graentz eingesetzt. Er liess den Wald abholzen und verkaufte Holz und Land. So konnten sich nach 1932 wieder Bauern in Altwigshagen ansiedeln. Acht Familien nutzten diese Gelegenheit und begannen kleine Höfe aufzubauen.

Am 23. Januar 1935 heiratete Graentz die Tochter des adligen Gutsbesitzers Anna Elisabeth von Borcke. Unter seiner Regie entwickelte sich das Gut in Altwigshagen wieder zu einem stabilen Landwirtschaftsbetrieb. Es entstanden Reihenhäuser für die Tagelöhnerfamilien und die so genannte Schnitterkaserne, wo während der Ernte des Korns die Saisonarbeiter schliefen. Die Landarbeiter erhielten neben ihrem Lohn auch Deputate und durften eigenes Vieh halten, das vom Gutsbetrieb gefüttert wurde. Zur Weihnachtsfeier wurden die Gutsarbeiter ins Schloss geladen. Es wurden Krippenspiele aufgeführt, Lieder gesungen und kleine Geschenke verteilt.

Das Ehepaar Graentz hatte drei Kinder, Rosemarie, Jürgen und Wolff-Dietrich (*1941). Der jüngste von ihnen vergiftete sich mit Tollkirschen und wurde im Juli 1945 auf dem Friedhof in Altwigshagen begraben. Seine Mutter Anneli Graentz starb am 26. April 1946 nach einer schweren Krankheit im Krankenhaus in Ducherow. Auch sie wurde in Altwigshagen beigesetzt. Nach der Enteignung verliess Karl-Heinz Graentz mit seinen beiden Kindern den Betrieb und leitete bis zu seinem Ruhestand ein Volkseigenes Gut in Crambs. Dort verstarb er 1980.

Die Eltern Bernhard und Gertrud von Borcke wurden 1945 von einem russischen Kommandanten in ein Internierungslager nach Ilfeld im Südharz eingewiesen, wo der ehemalige Gutsherr am 31. Januar 1950 starb. Seine Gattin wohnte nach ihrer Entlassung bis zu ihrem Tod am 30. Oktober 1976 in Eschwege.

 
 
Frau Clara Prengel     

 
© 2009 headkit prod.